Wie definiert man tiergestützte Pädagogik?

Laut Definition ist tiergestützte Pädagogik das Arbeiten mit Menschen unter Verwendung von Tieren. Hier verfolgt zumeist eine pädagogische Fachkraft ein bestimmtes Ziel. Dieses Ziel wird dokumentiert und über den gesamten Zeitraum begleitet.

Die Wirkung von Tieren auf die Kinder immer positiv. So nutzt man schon lange diverse Nutztiere in der tiergestützten Pädagogik. Viele Bauernhöfe in Deutschland öffnen bewusst ihre Tore für Kinder mit und ohne Förderbedarf und arbeiten mit Fachkräften oder Einrichtungen wie Kindergärten und Kindertagespflegestellen zum Wohl der Kinder zusammen. Dabei ist das Ziel dieser Kooperationen die positive Wirkung der Tiere zu nutzen, um Kinder im Alltag, ihrem Entwicklungsstand entsprechend, zu unterstützen.

Gefördert wird vor allem der Bereich der physischen, psychischen, sozial-emotionalen und der kognitiven Entwicklung. Je nach Zielsetzung der Förderung, werden Tiere auf unterschiedlichste Weise eingesetzt. Dabei liegt der Arbeit immer ein Beziehungsdreieck aus pädagogischer Fachkraft, dem Tier und dem Kind.

Hühner als Erziehungspartner in der Kindertagespflege

Eigenschaften von Hühnern

Hühner hören sehr gut und können Stimmen und vertraute Geräusche zuordnen. Bereits 3 Tage vor dem Schlupf können Küken im Ei Geräusche wahrnehmen und erkennen Stimmen und Geräusche nach dem Schlüpfen wieder. Diese nützliche Eigenschaft bereitet das Huhn perfekt für die pädagogische Arbeit mit Menschen vor. Wird ein Ei im Inkubator ausgebrütet, die sogenannte Kunstbrut, kann man sie so schon vor dem Schlupf an die Stimmen der Kinder und gewöhnen. Die Geräuschkulisse ist dann nicht mehr ganz so erschreckend für die geschlüpften Küken. Ausgewachsene Hühner lernen mit Hilfe von Futter sehr schnell, so kann man Hühnern zum Beispiel beibringen auf Zuruf zu kommen.

Bei Hühnern ist immer was los. Sie leben in einer Gruppe Im Hühnerstall und es wird nie langweilig ihnen zuzusehen. Sie verständigen sich mit über 30 verschieden Laute, Rufen und mittels Körpersprache untereinander. Die sogenannte Hackordnung sorgt für Ordnung und legt fest welches Huhn der Gruppe vorsteht und zum Beispiel beim fressen zuerst dran darf. Ist die Hackordnung einmal festgelegt, wird sie in der Regel nicht verändert.

Hühner müssen für die tiergestützte Pädagogik nicht speziell trainiert werden. Nur die Urangst vor uns Menschen, die von den Tieren als Jäger wahrgenommen werden, muss überwunden werden. Hat man erst einmal zum Huhn eine Beziehung aufgebaut ist es eine Sache Geduld mit Hilfe von Futter ihnen die gewünschten Verhaltensweisen anzutrainieren. Bei erwachsenen Hühnern dauert dies unter Umständen länger, ist aber nicht unmöglich.

Nicht jede Hühnerrasse ist geeignet um in der tiergestützten Pädagogik mit Kleinkindern Verwendung zu finden. So fängt die tiergestützte Pädagogik mit der richtigen Auswahl der Hühnerrasse an. Hier war mein Ziel eine ruhige, eher schwerere Rasse zu finden die zudem auch zutraulich wird, ein ruhiges Wesen hat und keinen übermäßigen Fluchtreflex besitzt. Zwerghühner eignen sich zwar augenscheinlich durch ihr geringes Gewicht sehr gut für jüngere Kinder, hier sollte man aber auch bedenken das auch Kleinkinder solchen zierlichen Hühnern unbeabsichtigt Verletzungen zufügen können. Zudem sind Zwergrassen fast immer nervöser und so nicht geeignet für den direkten Kontakt zu Kindern im U3 Bereich.

Was lernen Kinder in Zusammenarbeit mit Hühnern?

Sozialkompetenzen werden gefördert

Hühner sind Fluchttiere die auf hektische Bewegungen oder laute Geräusche mit Angst und Flucht reagieren. Kinder müssen daher lernen sich in Gegenwart von Tieren ruhig und rücksichtsvoll zu verhalten. Tiere wie Hühner lassen den direkten Kontakt nur zu, wenn man sich ruhig verhält. Hier entsteht der Anreiz für das Kind sich Achtsam zu verhalten, um auch einmal ein Huhn auf dem Arm halten zu können. Selbst quirlige Kinder werden so ruhig und konzentrieren sich auf das Halten des Huhns.

Auf der anderen Seite bekommen Kinder von Hühnern sofort eine Rückmeldung, wie sie auf die Hühner wirken. Diese spiegeln nämlich ohne Verzögerung auf laute Geräusche oder hektische Bewegungen und ergreifen umgehend die Flucht. Hier wird die Selbstwahrnehmung gefördert und das Kind kann besser verstehen, wieso ihr Gegenüber auf eine bestimmte Art und Weise auf sie reagiert. Hühner kommunizieren permanent miteinander. Mit ihrem Gegacker und Gegluckse tauschen sie sich ständig aus, auch auf menschliches „Gegacker“ antworten sie. Hühner schauen ihr Gegenüber direkt in die Augen, so können sie zu ihrem Gegenüber direkt Kontakt aufbauen und zu einem Kind eine direkte Bindung aufbauen.

Beim Eier sammeln in den Nestern sind Kinder immer mit Begeisterung dabei. Hier kann das Kind seine Kraft lernen einzuschätzen. Wenn es nämlich zu fest zudrückt geht das Ei kaputt und es wird beim nächsten Mal vorsichtiger sein.

Kinder die die Möglichkeit haben sich um Tiere zu kümmern, entwickeln ganz von alleine ein Verantwortungsbewusstsein für dafür. Hühner brauchen Futter und Wasser und es sollte täglich geschaut werden, ob es allen Tieren gut geht. Wenn sie dann einmal das Füttern vergessen, zeigen die Hühner den Kindern sofort an das etwas nicht stimmt indem sie zum Beispiel hastig und hektisch sich auf den Futtereimer stürzen oder laut Gackernd durch das Gehege flitzen, wenn man es dann nachholt. So wird den Kindern vermittelt, dass sie den Tieren nichts Gutes getan haben. Verbalisiert begleitet durch die pädagogische Fachkraft kann dies noch sprachlich unterstrichen werden in einem Gespräch mit den Kindern und so der Anreiz verstärkt werden, in Zukunft sich gewissenhafter und verantwortungsvoller um die Hühner zu kümmern.

Der Kreis des Lebens

Im Alltag mit Hühnern ist das Thema Leben und Tod automatisch inbegriffen. Kinder können hier schon mit dem Ei und dessen Brut bereits miterleben wie ein Leben entsteht. Nach in der Regel 19-21 Tagen schlüpfen aus den Eiern im Inkubator bereits die kleinen Küken. Für Kinder ist es ein wahres Wunder dies mit ansehen zu können. Wenn dann das Küken einmal auf der Welt ist wachsen die Hühner dann mit den Kindern auf und sie stellen fest das ein Küken sich innerhalb weniger Wochen bereits zu einem jungen Huhn entwickelt. Wenn es dann wenige Monate danach bereits wie ein erwachsenes Huhn aussieht und das erste Ei gelegt wird, schließt sich der Kreis wieder.

Die Kehrseite der Medaille ist der Tod. Ein Huhn kann auf vielen Wegen, wie zum Beispiel einer Krankheit, altersbedingt oder wenn es gerissen wird, sterben. Die Kinder erleben so, dass ein Lebewesen nur eine begrenzte Zeit auf der Welt ist und können so lernen mit dem Verlust klar zu kommen und sich angemessen verabschieden zu können und zu trauern.

Darüber hinaus lernen Kinder etwas über die Tierwelt. Speziell das Hühner Beutetiere sind, und es Jäger wie Marder, Fuchs oder Greifvögel gibt die diese jagen und essen.

Motorik mit Hühnern fördern

Im Alltag mit Hühnern müssen die Kinder allerlei motorische Herausforderungen meistern. Hier lernen sie spielerisch und mit Freude ihre Grob -und Feinmotorik zu trainieren. Ob nun das Futter in den Futternapf geschüttet werden muss, das Trinkwasser in die Hühnertränke gefüllt werden soll oder der Stall ausgemistet wird. Überall wird den Kindern, zum Beispiel mit Schaufel und Besen, eine Fülle an Bewegungsabläufen abverlangt. Da dies aber mit Spaß geschieht lernen und leben sie dies ganz ohne Drang wie von selbst.

Lebensmittel kennen und schätzen lernen

Hühner sind nicht nur Spielkameraden und zum kuscheln da, dies lernen sie ja bereits beim Versorgen der Tiere. Sie gelten als Nutztiere, die uns Menschen Eier und Fleisch bringen. So lernen die Kinder das die von Ihnen gesammelten Eier, nachdem sie in der Küche verarbeitet wurden in zum Beispiel ein gekochtes Ei oder etwa in den Pfannkuchenteig, die Lebensmittel zu schätzen und wissen woher sie kommen und wieviel Arbeit, Mühe und Liebe es braucht damit so ein Ei auf dem Teller landen kann. Für das Fleisch ist dies ähnlich. Zwar wird nicht in Gegenwart von Kleinkindern geschlachtet, dennoch kann dies, etwa nach dem Verlust eines Tieres von der pädagogischen Fachkraft verbalisiert werden, zum Beispiel bei der Zubereitung.

Brutapparat zum ausbrüten der Hühnereier

Brutapparat mit Hühnereier

10 Bruteier von blau/schwarz gesäumten Wyandotten

Tag 21… der Schlupf beginnt

Frisch geschlüpftes Küken im Inkubator

48 Stunden später dann die erste Mahlzeit

Küken freissen das erste Mal nach dem schlupf

Die komplette Bande beim ersten gemeinsamen Mahl